2.3 Religionsgeschichte des Christentums

Im folgenden geht es nicht um die Religionsgeschichte des Christentums schlechthin, sondern nur um Einsichten aus eigenen Untersuchungen. Nach meinem Verständnis dürften die eigentlichen Ursprünge des Christentums in der Glaubenslehre des altiranischen Priesters und Propheten Zarathustra (630-553 v. Chr.) gelegen haben. Diese Glaubenslehre wird entweder nach dem griechischen Namen von Zarathustra "Zoroaster" "Zoroastrismus" oder nach ihrem Gott Athura Mazda "Mazdaismus" genannt. Als Herrschaftsreligion währte der Zoroastrismus etwa 1200 Jahre bis zur Schlacht von Nihawand 642 n. Chr.

Schon im alten Griechenland gelangten Philosophen im Zuge von Gottesbeweisen zu der Annahme, dass es neben Gott ein geistiges Wesen geben müsse, das die Ideen und Wünsche Gottes verwirklichte. Sie nannten dieses Wesen "Geist". Zoroaster nimmt dagegen zwei solcher Wesen an, die Zwillinge aus dem Gott Athura Mazda gewesen wären: einen guten Geist und einen bösen Geist. Gott wolle, dass im Kampf dieser beiden Mächte das Reich des Guten obsiege. Deshalb stehe er auf der Seite des guten Geistes, der aus dieser Sicht "Heiliger Geist" (Spenta Mainyu) genannt wird.

Aufgabe des Menschen sei es, seine beruflichen und privaten Lebensaufgaben zu erfüllen. Bei den jeweiligen Auseinandersetzungen zwischen den Prinzipien des Guten und der Harmonie einerseits und des Bösen andererseits solle er sich für die ersteren entscheiden und damit dem Reich des Guten zum Siege verhelfen. Überwögen in seinen Leben gute Gedanken, Worte und Werke, erreiche er das ewige Leben in einer paradiesischen Existenz, einer Heimstatt der Lieder. Andernfalls verfalle er dem Bösen. Diese Entscheidungen habe er selbstverantwortlich nach dem Prinzip der Gerechtigkeit (Urta) zu treffen. Bestimmte priesterliche Riten begleiteten vier wichtige Zeitpunkte des menschlichen Lebens: die Geburt, die Geschlechtsreife, die Hochzeit und den Tod.

Die christliche Glaubenslehre hat das Gottesbild des Mazdaismus um den Sohn Gottes zur Trinität bzw. Dreifaltigkeit Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist erweitert. Neu ist außerdem die um den Frieden erweiterte Zielsetzung des Menschen. In seiner letztmöglichen Verallgemeinerung ist ein christlicher Mensch Beziehungsträger in einer Beziehung, deren Beziehungsziel als Sachziel die Aufgaben seines Berufes und seines Privatlebens und als Formalziel der Frieden sind. Beziehungsgrund ist sein Tätigwerden oder Erleiden, das nach dem Prinzip der Gerechtigkeit erfolgen soll.

Bei dem Formalziel "Frieden" ist zu beachten, dass mindestens drei Arten von Frieden zu unterscheiden sind: der Seelenfrieden (mit sich selbst und seinem Gewissen), auch im Sinne von Glück, der innere Frieden mit Angehörigen seiner Familie und seinem Volke und der äußere Frieden mit Angehörigen fremder Völker. Insofern bestehen bei jedem Menschen hinsichtlich des Formalziels "Frieden" von vornherein Zielkonflikte.


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